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Kategorie: Aufsätze
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Ernaehrungskompass   Bas KastBas Kast, diesen ungewöhnlichen Namen trägt ein junger Mann, der aufgrund eigener Gesundheitsprobleme sich daran machte, alle Studien zu analysieren, die mit Gesundheit zusammen hängen. Daraus hat er ideologiefrei ein Buch gemacht. Meine Auswahl fiel auf dieses Buch nicht nur, weil es wochenlang Spiegel-Bestseller war, sondern weil es neue Erkenntnisse enthält. Der Ernährungskompass von Bas Kast ist authentisch und allgemein verständlich geschrieben. 26. Auflage 2018.

Er bestätigt alt Bekanntes. Dazu erinnere ich an meine bisherigen Rezensionen, nachzulesen unter www.melz.eu.

Unsere Ernährung besteht hauptsächlich aus Eiweiß, Fetten und Kohlenhydraten. An der Trockenmasse des menschlichen Körpers (40%, 25%, 3%) kann man schon erkennen, welche davon besonders wichtig sind. Diese Hauptgruppen kann man wieder unterteilen in Untergruppen. Nun wissen wir endlich, welche Untergruppen nützlich und welche schädlich sind:

Eiweiß: Von den Aminosäuren kann der Körper alles brauchen, was daherkommt. Ist von einer Aminosäure mal was zu viel da, wird sie einfach in Zucker umgewandelt und (hoffentlich) zu Energie verbrannt. Die Sättigungsfunktionen des Körpers orientieren sich hauptsächlich am Eiweiß. Wenn bestimmte essentielle Aminosäuren zu wenig in den Körper kommen, bleibt man hungrig. Das dürfte der Hauptgrund sein, warum die westliche Menschheit immer fetter wird: Eiweißverdünnung und gleichzeitige Zuckeranreicherung durch industrielle Verarbeitung. Dr. Ulrich Strunz, der seit vielen Jahren die essentiellen Aminosäuren im Blut seiner Patienten misst, erschrickt regelmäßig, welche Mängel sich da auftun. Klar, zu ihm kommen keine gesunden Menschen, da kommen immer die, die von der Schulmedizin als gesund eingestuft wurden, sich aber trotzdem krank fühlen. Kennen Sie Ihr Aminosäurenprofil?

Aus den Studien ergibt sich, dass die Eiweißquelle eine Rolle spielt. Hier mal die Reihenfolge von schlecht bis gut: Hotdogs, Wurst, Schinken, frittierter Fisch (hierzu gibt es eine unterhaltsame Wortkreation des Autors, nämlich „fischoid“), Pangasius, rotes Industriefleisch, Grasrind, Wild, Milch - hier ist die Mitte - Eier, Käse, Landhuhn, fettiger Fisch, Joghurt, Pilze, Kichererbsen, Weizenkeime, Bohnen, Linsen, Nüsse, Leinsamen. Warum das so ist, ist gänzlich unbekannt. Denn von der Logik sollten allenfalls die Beistoffe den Unterschied bewirken, was aber wohl nicht immer zutrifft, wie andere Studien wieder bestätigen.

Fette: Die Fette unterscheiden sich durch die Länge der Moleküle und durch die vorhandenen Knicke. Transfette sind die schädlichste Form von Fett. Es gibt sie in der Natur nicht, sie sind ein Industrieprodukt, und entstehen, wenn versucht wird, flüssige Fette zu härten, damit sie streichfähig werden. Sie sind im Pizzaboden, Pommes, Chips, Krapfen, Kekse, Margarine usw. Sie sind in den USA verboten, in Deutschland müssen sie nicht einmal deklariert werden. Sie sind wahrscheinlich der schädliche Faktor für Fastfood.

Dann kommt der Autor gleich zum gutem Fett, dem Olivenöl. Es ist besonders gut, wenn es im Hals ordentlich kratzt. Es wirkt antientzündlich. Die Schutzstoffe der Olive gegen die heiße Sonne wirken auf den Menschen besonders heilsam. Übrigens kann man mit Olivenöl auch gut braten und frittieren. Es ist nicht hitzeempfindlich, wie überall behauptet wird. An 2. Stelle kommt kalt gepresstes Bio-Sonnenblumenöl und als 3. kalt gepresstes Rapsöl. Letztere waren in einer Studie sogar in der Lage, die schädliche Wirkung von Fruktose (siehe später im Text) abzumildern.

Käse ist Quelle für Vitamin K und Spermidin. Vitamin K schleust das Kalzium in die Knochen und nicht in die Adern. Spermidin wirkt offenbar lebensverlängernd. Es steckt außerdem in Weizenkeimen, Sojabohnen, Pilzen, Erbsen, Brokkoli …

Lachs oder Alaska-Seelachs? Letzterer hat mit Lachs nichts zu tun und eigentlich heißt er pazifischer Pollack. Wir bekommen ihn ganz selten als unbehandeltes Filet, meist ist er ein Fertiggericht, angereichert mit Palmöl, Glukosesirup und Zucker und damit ist er Müll, ein Fischoid. Lachs dagegen hat die begehrten Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA. Sogar die Zuchtform hat diese Fettsäuren noch. Ursprung sind Meeresalgen. Die Fettsäuren reichern sich in der Nahrungskette in den Fischen kalter Meere an. Diese Fische brauchen solche Fettsäuren um auch bei Kälte ihren Körper geschmeidig zu halten. Wobei wir schon bei deren Vorteilen für den Menschen sind. Wer kennt nicht die Lust vieler Schwangerer nach Rollmops. Es dürfte sicher sein, dass dies an einem Mangel an DHA liegt. In bestimmten Phasen der Schwangerschaft braucht der Embryo viel davon um in jeder Sekunde 4.000 neue Gehirnzellen bilden zu können. Auch im Alter können Sie ihr Gehirn noch mit DHA aufpeppen. EPA wirkt entzündungshemmend. Beide wirken außerdem blutverdünnend. Die Membrane der Zellen werden geschmeidiger. Im pflanzlichen Omega-3-Öl sind EPA und DHA nicht enthalten.

Kohlenhydrate: Es gibt im Wesentlichen 2 Zuckerarten, die der Mensch verwerten kann, Glukose und Fruktose. Laktose, das Kohlenhydrat der Milch verwandelt sich letztlich, vorausgesetzt, Sie haben noch das Enzym Laktase im Darm und eine gesunde Leber, zu Glukose. Getreide (Brot, Reis, Nudeln) wird noch im Darm in Glukose umgewandelt. Der Haushaltszucker besteht zur Hälfte aus Glukose und Fruktose. Glukose ist Hirnnahrung und das, was zur Verarbeitung Insulin aus Ihrer Bauchspeicheldrüse braucht. 200 g pro Tag sind für einen gesunden Menschen kein Problem. Fruktose wird in jedem Fall direkt von der Leber verarbeitet und zu Fett. Ca. 30 g Fruktose verträgt der gesunde Körper. Das ist mit 3 Äpfeln oder einem halben Liter Cola bereits erreicht. Fruktose ist richtig gefährlich, weil sie oftmals als Fett nicht einmal den Weg ins Fettgewebe schafft, sondern gleich in der Leber bleibt. In der Lebensmittelherstellung darf seit Oktober 2017 Fruktose-Glukosesirup unbegrenzt verwendet werden. Nebenbei gesagt auf Druck unserer amerikanischen Freunde. Wo leben die fettesten Menschen? USA? Nun, hier haben wir den Grund.

Zucker ist dem Alkohol sehr ähnlich. Die Menge pro Zeit spielt deshalb auch hier eine Rolle. Das erklärt vielleicht auch die Schädlichkeit von Säften, mit denen Sie auf die Schnelle gleich mal 10 Orangen auf einmal trinken können.

Zuckerersatzstoffe wie Cyclamat, Aspartam, Sorbit u.a. sind entgegen brutalster Darstellungen im Internet nicht an sich schädlich. Sie können aber Ihre Darmflora durcheinanderbringen. Das dürfte es auch sein, warum sie so einen schlechten Ruf haben. Das ist übrigens wieder einmal ein schönes Beispiel für „Jeder hat Recht.“

Exkurs: Diabetes ist in aller Munde, viele sind schon betroffen und es werden immer mehr. Die Vorstufe nennt sich Insulinresistenz, oder wie der Autor sagt Kohlenhydratunverträglichkeit. Die geht so: Wenn die Leber normal arbeitet, verpackt sie das von ihr produzierte Fett in VLDL-Partikel und schickt es auf die Reise durch die Adern zu Körperzellen, wo sie gebraucht werden. Das ist notwendig, weil Fett nicht wasserlöslich ist. Je mehr Fett vorhanden ist, desto dicker werden diese Partikel. Wenn VLDL sein Fett langsam los wird, wird es zu LDL und wenn es besonders leer ist zu sdLDL. Letzteres ist für die Adern besonders gefährlich, weil es so klein ist. Die LDL und sonstigen überflüssigen Cholesterine werden von HDL wieder eingesammelt und zurück zur Leber transportiert. Also lautet die Devise HDL rauf und LDL sowie Triglyceride runter. Der Zusammenhang ist Cholesterin = LDL + HDL + Triglyceride. LDL geteilt durch HDL sollte unter 3 liegen und die Triglyceride unter 150. Bei wem das nicht der Fall ist, bei dem ist Insulinresistenz wahrscheinlich. Ein weiterer Hinweis auf Insulinresistenz ist ein Blutzuckerspiegel (=Glukosespiegel) vor dem Frühstück von >100 oder >200 nach einem Essen. Auch der HbA1c-Spiegel sollte im Rahmen liegen.

Das Gesunde an Kohlenhydraten sind Chemikalien, die die Pflanzen bilden, um sich gegen Feinde zu schützen und Ballaststoffe. Letztere haben eigentlich einen falschen Namen. Sie sind zwar nicht direkt verdaulich, jedoch Nahrung für unsere Darmflora. Die 2 kg Bakterien, die in unserem Darm leben, produzieren daraus Nährstoffe, die wir wiederum gut verwerten können. Z.B. Buttersäure, die den Darm schützt.  Auch das ist ein Grund, warum konzentrierte Kohlenhydrate schädlich sind. Ihnen fehlen die Ballaststoffe. Unsere Darmbakterien sind Gegenstand aktueller Forschung und es ist ein spannendes Gebiet. Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass unsere Bakterien sogar unseren Charakter beeinflussen können.

Im Bereich Getreide vertritt der Autor die Meinung, dass es umso gesünder ist, je gröber es gemahlen ist und je vollkorniger es geblieben ist. Im Hafer z.B. steckt der Stoff Beta-Glucan, der den Cholesterinspiegel senkt. Da gibt es allerdings auch andere Meinungen. Siehe z.B. Loren Cordain, „Das Getreide - Zweischneidiges Schwert der Menschheit“. Er meint, die Stoffe, die Gräser bilden um sich zu schützen sind der Gesundheit des Menschen grundsätzlich abträglich. Zudem gehört Getreide erst seit max. 10.000 Jahren zum menschlichen Speisezettel.

Auch Kartoffeln, vor allem ohne Fett genossen, sind ein Problem.

Sonstige: Kaffee ist besser als sein Ruf, allerdings nichts für Schwangere. Seit ich durch dieses Buch weiß, dass der Kaffeefilter 2 schädliche Stoffe herausfiltert, lege ich einen Filter auch in meine Espressomaschine. Schwarzer und vor allem grüner Tee ist gesund. Es sind die gleichen Teeblätter. Grün bleiben sie, wenn sie einfach getrocknet werden, schwarz werden sie durch eine Rotationsmaschine, die die Zellstrukturen aufbricht. Die Inhaltsstoffe oxidieren dadurch.

Und der liebe Alkohol. Der Autor erlaubt Ihnen 1 Glas Bier (0,33 l) oder Wein (1/8 l) pro Tag, Frauen dürfen nur die Hälfte trinken. Ich weiß, die Welt ist ungerecht.

Nahrungsergänzungsmittel gesteht der Autor uns nur in Form von D3 und B12 zu. Wenn der Autor, wie der bereits erwähnte Dr. Strunz, wüsste, dass bei vielen Menschen erhebliche Mängel von essentiellen Stoffen bestehen, würde er wohl anders schreiben. Ich denke, es ist eine gute Idee, wenigstens einmal im Leben sein Blut auf essentielle Stoffe untersuchen zu lassen, vor allem, wenn man sich nicht wohl fühlt und die Schulmedizin nichts findet.