"Unsere Nahrung unser Schicksal" lautet der Titel von Dr. med. Max Otto Bruker (1909-2001). Bereits seit 1986 gibt es dieses Buch, bis jetzt in 45 Auflagen, die aktuellste aus 2011. Unsere Bücherei hat die neuste Ausgabe. Trotz ihres Alters und nur wenigen Ergänzungen im Laufe der Jahre hat dieses Buch nichts an Aktualität eingebüßt. Im Gegenteil hat sich die Ernährungslage weiter verschlechtert und haben sich die Ursachen der heutigen Fehlernährung weiter verschärft.

Dem Einzelnen ist es heute nicht mehr vergönnt, sich im Widerstreit der Lehrmeinungen und (mächtigen) Geschäftsinteressen richtig entscheiden zu können. Zu groß ist die Verwirrung geworden. Für jede noch so hanebüchene Meinung gibt es untermauernde Studien oder sogenannte Metastudien (eine Mischung aus mehreren Studien). Da tut es gut einen Dr. Bruker zu lesen, der das Thema mit hohem Fachwissen aber trotzdem gesundem Menschenverstand angeht auf den wir übrigens angesichts der heutigen Verwirrung größten Wert legen sollten.

Zu den ernährungsbedingten Krankheiten zählt er praktisch alles, was uns heutzutage so plagt: Zahnkrankheiten, Bandscheibenschäden, Diabetes, Gicht, Arterienverkalkung (hat übrigens mit Kalk fast nichts zu tun), Herzinfarkt, Thrombosen, Darmerkrankungen und weiter viele Allergien, Krebsarten, Burnout. Doch woher kommen die? Kurz gesagt: Von leeren Kohlenhydraten (Auszugsmehle, Zucker) und den falschen Fetten (Transfette, zu viel gesättigte Fette). Leere Kohlenhydrate deshalb, weil im Auszugsmehl und Zucker kaum noch Vitalstoffe (Vitamine und Mineralien) vorhanden sind. Dabei wirken die Kohlenhydrate doppelt negativ: Zum einen verdrängen sie die Nahrung, die vitalstoffreich ist (man isst ja nur, bis man satt ist und das wird man auch mit Zucker und Mehl) und zum anderen verursachen sie eine übermäßige Insulinantwort des Körpers. Überschüssige Kohlenhydrate werden damit in die Fettzellen verklappt und verursachen, neben Fettleibigkeit, langfristig eine Insulinresistenz. Diese wiederum führt mindestens zur Zuckerkrankheit. Wussten Sie, dass Mehl gleich Zucker ist? Die Stärke verwandelt sich noch im Darm vollständig in Zucker und kann erst danach über die Darmwand in die Blutbahn gelangen.

Vor diesem Hintergrund mutet es seltsam an, dass Dr. Bruker so sehr für Vollkorn eintritt. Getreide gibt es ja max. seit 10.000 Jahren. Zu jener Zeit gab es in den fruchtbaren Ebenen Mesopotamiens eine Grassorte, deren Samen etwas größer war als die der anderen. Immer auf der Suche nach Nahrung, kam der Mensch auf die Idee, dieses ungenießbare Zeug aufzuweichen, zu quetschen und danach zu essen. Unzufrieden mit dem Ergebnis wurde gezüchtet, ausgewählt, verarbeitet, gemahlen und irgendwann gebacken. Heute hat Getreide zwischen 50 und 60% Kohlenhydrate und ist damit absoluter Spitzenreiter unter allen Nahrungsmitteln. Nach Verwandlung in Auszugsmehl und Entfernung der Kleie können bis zu 75% erreicht werden. Da erscheinen die Kartoffel mit etwa 15% oder die Banane mit 20% als Zwerge.

Wenn man die Historiker befragt, war die Einführung des Getreides verbunden mit schlechten Zähnen, Kleinwuchs und früher Sterblichkeit. Sicher hat in diesen vielen Jahren beim Menschen eine gewisse Auslese stattgefunden, genetisch allerdings hat sich sicher nichts getan. Dafür bräuchte man Zeiträume von mehreren 100.000 Jahren. Man kann also davon ausgehen, dass der Mensch wesentlich kleinere Mengen Kohlenhydrate verträgt, als er heute isst. Ich glaube, Dr. Bruker vertritt dies so, weil er seine Verantwortung für die gesamte Menschheit wahrnehmen will und diese kann tatsächlich ohne Getreide nicht mehr ernährt werden. Für den Einzelnen jedoch gilt: Ein Leben ohne Getreide ist gesund auf Dauer möglich. Wer dazu mehr wissen will, dem darf ich einen anderen Dauerbrenner empfehlen: "Leben ohne Brot" von Dr. Wolfgang Lutz.

Natürlich prangert er auch den heute üblichen Bewegungsmangel an, der die obigen Zustände noch verstärkt. Anthropologische Studien haben gezeigt, dass der Mensch vor 100.000 Jahren (von dem stammen alle heute auf der Erde lebenden Menschen ab) in der Savanne Südostafrikas durchschnittlich täglich 30 km zurück gelegt hat. Und das dürfte er wohl auch vor 300.000 Jahren oder noch früher gemacht haben, ist also genetisch relevant. Unser Körper ist also auf Bewegung eingestellt. Wo diese nicht stattfindet, werden die Stoffwechselvorgänge verlangsamt, Abfälle nicht schnell genug ausgeschieden, Nahrung nicht genügend verarbeitet.

Und weil uns alle Landwirtschaft besonders interessiert, lassen wir ihn zu diesem Thema selbst zu Wort kommen:

„In ähnlicher Weise, wie nun die moderne Ernährungslehre gezeigt hat, dass noch eine große Zahl anderer Stoffe für die Gesunderhaltung nötig ist, gilt dies auch für den Boden bzw. die Pflanze. Dem Kollath'schen Begriff der lebendigen Nahrung für den Menschen entspricht der lebendige Boden bei der Pflanze. In einem Gramm Erde finden sich bis zu 20 Millionen Bakterien, eine Million Pilze und eine Million einzellige Tiere. Ein Hektar Boden enthält ca. 12 bis 62 Tonnen dieser unsichtbaren, für die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit so wichtigen Lebewesen. Viele dieser Organismen tragen zu dem ständigen Reservoir von Stickstoffverbindungen, Phosphor und Schwefel in den für die Wurzeln erreichbaren Schichten bei. Die Ernährung der Pflanze geschieht also nicht nur direkt über die zugeführten Stoffe, sondern auch indirekt über die lebendigen Bodenorganismen. Eine einseitige Mineral- und Stickstoffdüngung ist nun imstande, das Bodenleben erheblich zu stören und dadurch Pflanzenkrankheiten hervorzurufen, was sich wiederum in einer vermehrten Anfälligkeit gegen Schädlinge bemerkbar macht. Giftige Schädlingsbekämpfungsmittel, die in den Boden gelangen, schädigen das Bodenleben, wodurch es wieder zu einer Verringerung der Widerstandskraft kommt. Die Teufelsspirale ist hergestellt.“

Dieses Buch ist meiner Meinung nach ein herausragendes Werk, das für den einzelnen eine echte Hilfe ist. Es ist motivierend und aufklärend zugleich. Ihnen alle Freiheiten lassend führt es Sie zu einem besseren Leben.